Das Märchen der 672. Nacht

Seit ich die Oper von Jan Müller-Wieland gesehen habe, hat die Geschichte vom vereinsamten, weltentfremdeten Kaufmannssohn mich in ihren Bann gezogen. Also habe ich mich mit der Geschichte dahinter näher befasst und so kurz die Novelle ist, die Hugo von Hofmannsthal 1895 schrieb, so groß ist die Intension dahinter. Er spricht von der Unentrinnbarkeit des Lebens. Die Kraftlosigkeit, die das Nichtstun  hervorruft. Nur von der Schönheit der Dinge zu leben, sie zu betrachten und doch keine Kraft daraus zu schöpfen. Mit einer Notiz zu seinem Werk, hat der Autor seinen Text selbst interpretiert : “Untätigkeit lähmt.” Sicher ein allzu aktuelles Thema, ist es doch in allen Schichten unserer Gesellschaft wieder zu finden.

Für mich war klar, ich wollte diese Geschichte für mich verarbeiten und mich nicht der Lähmung hingeben, sie nur zu betrachten. Ich arbeite seit einiger Zeit an einer grafischen Novelle über das Märchen. Kleine Ausschnitte kann ich hier schon verraten...

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... aber natürlich noch nicht zu viel.

Was ist die Geschichte hinter dieser Novelle? An dieser Stelle empfiehlt sich eine hervorragende Inhaltsangabe, die Birgit Müller-Wieland im Programmheft der deutschen Erstaufführung im Theater Nordhausen im Jahr 2000 verfasst hat.

“Im Morgengrauen, in einem Landhaus, betrachten drei Dienerinnen und ein Diener ihren Herrn. Umgeben von ihnen, genießt der Kaufmannssohn in begüterter, lustvoller Einsamkeit das Wunderbare und das Vergängliche. Nicht Erkenntnis, sondern Anschauung der schönen Dinge, ihren Formen und Farben reizen ihn. Der Gedanke an den Tod ängstigen ihn nicht, vielmehr erscheint ihm jener als “Freund”, als würdevoller Abschluss eines gelungenen Lebens. Ein Brief, in dem sein Diener beschuldigt wird, ein Verbrechen begangen zu haben, veranlasst ihn, sein Vaterhaus zu verlassen und zum ersten Mal allein in die Stadt aufzubrechen. Wie von Traumbildern fühlt er sich von der Dienerschaft an unterschiedliche, zunehmend unheimliche Schauplätze geleitet - um sich schließlich in der nächtlichen Gosse, im Elendsviertel wiederzufinden. der Tod, der ihn von Anfang an begleitet hat, macht sich über ihn lustig. Der Kaufmannssohn verflucht sein Leben und die Banalität seines Sterbens. Im Landhaus erwachen die Dienerinnen und der Diener zum ersten Mal ohne ihren Herrn. Sie beginnen zu putzen, damit alles “schön und sauber” wird, wenn er heimkommt. Denn - so die Coda des Mondes - “Er wird kommen”.”

Dies ist natürlich die Inhaltsangabe zu der Oper, die sich in ein paar Punkten unterscheidet zur Novelle. Zum Beispiel spielt der Tod in der Oper eine Hauptrolle und ist ein ständiger Begleiter des Kaufmannssohns. Aber gerade die Interpretation des Komponisten ist es, die mich so begeistert hat und auf die ich versuche, meine grafische Novelle aufzubauen.

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